Wenn ein Mann 6 Wochen lang alleine zu Hause ist….

Großmeister Hans muss 6 volle Wochen alleine zu Hause verbringen, da seine Frau Nina auf Kur ist. Nach einer Woche schreibt sie ihm einen ersten Brief:

Mein lieber Hans,
ich hoffe es geht dir gut zu Hause. Hoffentlich hast du alles im Griff. Mir geht es von Tag zu Tag besser, es tut sehr gut, wenn man sich nicht um alles kümmern muss, sondern wenn man rundum versorgt wird, so wie ich es bei dir seit Jahrzehnten mache.

Ich hoffe, du bist noch nicht verhungert, aber ich habe dir ja gezeigt, wie man kleine Mahlzeiten zubereitet. Vergiss nicht, nach dem Kochen den Herd wieder auszuschalten, sonst kann sich eine Platte entzünden. Bitte denk dran, wenn du frische Wäsche brauchst, stelle die Waschmaschine auf 60°C und drehe nach dem Waschen den Hahn wieder ab. Gibst du auch der Katze jeden Tag was zu Fressen und tauschst du auch den Katzenstreu jeden dritten Tag aus?

Ich hoffe du kommst gut zurecht, in 5 Wochen bin ich ja wieder zurück. Du kannst mich gerne auch mal anrufen. Ich vermisse dich sehr! Deine Nina.

Hans braucht 3 Wochen, bis er endlich die Zeit findet, Ninas Brief zu beantworten. Dann schreibt er aber einen langen, ausführlichen Brief an seine Geliebte:

Meine liebste Nina,

vielen Dank für deinen lieben Brief, ich habe mich sehr gefreut von dir zu hören.

Am Anfang stand ich ziemlich unter Stress, da es kein Leichtes für mich war, jeden Tag für mich und die Katze zu kochen. Zumeist war mir nach dem Essen kotzübel und einige Male musste ich zum Arzt, der mir jedes Mal eine Lebensmittelvergiftung attestiert hatte. Aber mittlerweile geht es einigermaßen mit dem Kochen. Ich mache mir oft Spiegeleier, die kann man direkt auf die Herdplatte klatschen und man braucht gar keine Pfanne!

Apropos Pfanne. Am Sonntag habe ich Bratkartoffeln gekocht, aber das hat nicht so richtig funktioniert. Die haben überhaupt nicht geschmeckt. Ich habe ein halbes Kilo Kartoffeln in die Pfanne gehauen, habe währenddessen eine Fußballhalbzeit angeschaut und wie ich zurückkam waren die Kartoffeln nicht weich und knusprig sondern klein und verschmort. Hätte ich die vorher schälen oder vielleicht in Stücke zerkleinern müssen?

Aber wie gesagt, das mit dem Kochen geht inzwischen ganz gut. Unserer kleinen Mausekatze geht es auch sehr gut. In der ersten Woche habe ich allerdings vergessen, den Katzenstreu in ihrer Katzentoilette auszutauschen, dann hat sie jeden Tag ins Gästebett gemacht, was ich jedoch erst gestern gemerkt habe, weil es aus dem Gästezimmer bestialisch herausgemieft hat. Ich habe das komplette Bett mit samt der Decke zertrümmert und auf den Wertstoffhof gebracht; dieses Zimmer wollte ich sowieso mal anders nutzen, und deine Mutter kann auch auf dem Wohnzimmersofa schlafen, wenn sie mal wieder kommt.

Eines hat mir die Katze jedoch übel genommen: Letzten Samstag habe ich mir beim Metzger ein 500 g schweres T-Bone Steak gekauft und es in der Teflon-Pfanne angebraten. Ich habe den Herd gerade eingeschaltet, da rief der Willi an, ob ich auf ein schnelles Bier rüberkäme, da habe ich mein Steak total vergessen. Als ich um halb drei nach Hause kam, habe ich das Steak schon von der Straße aus gerochen. Das Steak ist zu einem kleinen Würstchen zusammengeschrumpelt, die Pfanne ist irgendwie durchgebrannt und die ganze Wohnung war voller dichtem schwarzen Rauch. Unser weißes Kätzchen ist jetzt grauschwarz, aber trotzdem genauso süß wie eh und je. Allerdings hat sie einen schweren Husten seit dem T-Bone Steak. Manchmal kann ich nachts nicht schlafen, weil die Katze die ganze Nacht hustet.

Nina, du siehst, es geht rund hier, aber mir geht es sehr gut. Ich vermisse dich aber wirklich arg, denn es ist nicht schön ständig alleine zu sein. Immerhin leistet mir morgen Nachmittag der Kammerjäger Gesellschaft, denn hinter der Küchenspüle, wo ich einfach mal das gesamte ungespülte Geschirr mit den Essensresten aufgestapelt habe, hat sich eine einzigartige Tierwelt entwickelt. Du glaubst gar nicht, wie viele Arten von Haustieren es bei uns gibt. Da wimmelt es nur so vor Kleintieren – eigentlich ein gefundenes Fressen für die Katze, aber die geht ja nicht mehr in die Küche seit der Rauchkatastrophe. Da sich die kleinen Krabbeltierchen jedoch inzwischen in der ganzen Wohnung breit gemacht haben, habe ich einen Kammerjäger angerufen. Schließlich kann ich nicht ruhig schlafen, wenn es am ganzen Körper juckt.

Das Geschirr habe ich komplett gewaschen, das war ein Höllenlärm, als die Waschmaschine das Schleudern anfing. Sogar die Nachbarin von Nebenan hat sich beschwert, aber just in dem Moment, wo sie bei mir klingelte, war die Waschmaschine mit dem Hauptwaschgang am Ende. Bitte sei nicht böse, aber einige Teller und Tassen sind in der Waschmaschine kaputt gegangen, obwohl ich sie, wie du mir gesagt hast, auf genau 60°C eingestellt habe. Ist aber nicht weiter schlimm, denn unser Porzellan ist eh schon über 100 Jahre alt, da ist sowieso mal ein neues, moderneres fällig.

Wir brauchen übrigens auch einen neuen Wohnzimmerteppich, denn über diesen habe ich Tomatensauce geschüttet. Du hast übrigens völlig recht, wenn du immer sagst, dass man Tomatensauce mit herkömmlichen Reinigungsmitteln nicht mehr aus dem Teppich rausbekommt. Mit einem kräftigen Industriereiniger habe ich die Flecken jedoch problemlos rausbekommen. Allerdings hat sich bei diesem Vorgang der Teppich an den behandelten Stellen wie durch ein Wunder in Luft aufgelöst, so dass er jetzt total durchlöchert ist.

Also du siehst, es geht mir sehr gut und dem Kätzchen geht’s auch einigermaßen gut. Wenn du zurück kommst, wird einiges neu sein und einiges werden wir auch zusammen neu kaufen müssen. Aber Shopping war ja ohnehin immer deine Lieblingsbeschäftigung.

Ich freue mich sehr auf deine Rückkehr. Bis dahin alles Gute, liebe Grüße und Bussi,

Dein Hans         😀 😀 😀

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